Die "Via Carpatica"

Eine Fernwanderroute über den gesamten Karpatenbogen

Überblick:

Eine Überschreitung des gesamten Karpatenbogens auf einem Fernwanderweg, einer "Via carpatica" ist zum heutigen Datum das letzte große Abenteuer in Europa. Zwar sind einzelne Abschnitte in den Karpaten recht ordentlich erschlossen, aber eine durchgehende Route durch die fünf Karpatenländer mit markierten Steigen und Hütten längs des Gebirgsbogens gibt es bisher nicht. Wer es gewohnt ist, aus zum Teil schlechten Karten zu lesen, durch weglose Wildnis zu wandern und tagelang ohne den Luxus einer bewirteten Hütte zu leben, findet hier ein grandioses Abenteuer der Spitzenklasse - Willkommen im Club !

 

Voraussetzungen:

Für den gesamten Karpatenbogen benötigt der Wanderer etwa 3 - 4 Monate.

Außer für die Ukraine - Visumspflicht, vorher in der ukrainischen Botschaft in Berlin nachfragen - reicht der Reisepass für die Grenzüberschreitungen.

Beste Jahreszeit wäre von Juli bis Oktober. Das Mitführen von einer kompletten Trekkingausrüstung ist Pflicht sowie Lebensmittel für eine Woche. 8 Stunden reine Wanderzeit pro Tag sollten möglich sein und als kleine Gruppe 3 - 5 Leute tut man es sich sicher leichter.

Schwierigkeiten:

Diese liegen nicht beim alpinen Können - Klettern und schwere Steigen kommen nicht vor. Wegloses Gelände, schlechte Markierungen und zum Teil ungeeignete Karten sind die Probleme - oft läuft man nach dem Kompass auf den Höhen der Karpaten entlang.

Wilde Tiere:

Bär, Luchs, Wildkatzen und Wölfe sind hier heimisch und leben hier im Einklang mit der Natur. Wir Menschen sind hier Gast und sollten uns auch so benehmen. Selbst hatte ich noch nie Probleme mit diesen Wildtieren.

 

Tourbeschreibung:

Aus meinen persönlichen Erkundungen heraus beginne ich die Wegbeschreibungen von Rumänien aus. Vom Donauknie an der serbischen Grenze weg nach Westen bis Brasov, danach nach Norden zur Ukraine und weiter in Richtung Polen, Slowakei und Tschechien.

Soweit es immer möglich ist, bewegt sich die Route oben am Hauptkamm der Karpaten. Alle erreichbaren Hütten werden erwähnt. Abstiege in Tallagen erfolgen aus touristischer Sicht und zum Einkaufen - Erholen.

Wöchentliche Teiletappen werden hervorgehoben und die Rückreise zum Ausgangspunkt erwähnt.

Die Zeitangaben sind reine Wanderzeiten, die Höhenmeter eine Summe der Tagestour und mit folgender Gleichung angegeben:

3,5 Km Wegstrecke pro Std. oder 350 Hm.bergauf  pro Std. oder 500 Hm. bergab pro Std.

 

Urwaldartige tiefe Schluchten in den Karpaten
Urwaldartige tiefe Schluchten in den Karpaten

Entwicklung der "Via Carpatica"

Seit der Erweiterung der EU in Richtung Osten lag es auch nahe, touristisch sich dieser Nationen an zu nehmen. Speziell für den Weitwanderer ergaben sich ungeahnte Möglichkeiten. Sehr unterschiedliche Bedingungen liegen in den einzelnen Gebieten für den Trekker vor. So gibt es recht gut entwickelte Berggruppen mit markierten Wegen und bewirtete Hütten - Hohe Tatra, Siebenbürgische Karpaten - und noch totale Wildniss - Waldkarpaten in Polen.

Die Berghütten in den Karpatenregionen befinden sich in sehr unterschiedlichem Zustand. Von komfortablen Berghotels bis zur total verfallenen Almhütte hin ist alles vorhanden. Nach heutigem Stand muß ein Trekkingzelt samt Biwakausrüstung mitgenommen werden.

In weiten Bereichen werden sich durch die Weiterentwicklung der "Via Carpatica" zahlreiche positive Effekte für den sanften Tourismus ergeben, welche hoffentlich den Anwohnern vor Ort zu Nützen sein werden. Wenn alle mir bisher bekannten Almhütten ausgebaut zum Übernachen von Wanderer würden, bedarf es kaum einem Neubau in unberührter Natur. Hier liegt die Chance für den sanften Tourismus, der Almhirte mit Familie bekommt durch den Weitwanderer ein Zusatzeinkommen, so das sich Viehwirtschaft und Tourismus verbinden und als neue Lebensgrundlage dienen kann.

Kulturelles der "Via Carpatica"

Was auch sinnvoll wäre, außer der Erschließung der Steige und Hütten an der "Via Carpatica" ist die Wahrung der heimischen Kultur mit ihren Bräuche, Feste und kulturellen Traditionen. Wer einmal das Glück hatte, an einem dieser Feste teil genommen zu haben, wird wissen, das mein Anliegen dazu von großer Bedeutung ist. Dieser Fernwanderweg durch viele verschiedene Regionen des gesamten Karpatenbogens ist auch ein kulturelles Ereignis.

Der Naturschutz der "Via Carpatica"

Die Karpaten sind als Gebirgslandschaft unbedingt schützenswert. Der Großteil ist wenig erschlossen, kein Verkehr und nur von der einheimischen Bevölkerung besucht. Teilweise gibt es bereits Naturparks und Schutzgebiete. Diese sollten unbedingt erweitert werden. Als besonders negatives Beispiel sei die Maramures in Nordrumänien erwähnt. Hier werden ganze Täler kahlgeschlagen und nach dem nächsten Starkregen ist die wertvolle Humusschicht weggeschwemmt. Die Folge ist eine Verwüstung der Landschaft. Deutlich schneller als im Flachland rächt sich die Natur, wenn ökologische Fehler bei der Nutzung der Landschaft getätigt werden.

Das gilt aber auch für uns Weitwanderer auf der "Via Carpatica". Wir sollten uns in den Hochregionen so benehmen, als seien wir nie da gewesen. Kein Müll zurück zu lassen, ist selbstverständlich. Feuerstellen ein zu richten, sollte unterbleiben. Gas- oder Spirituskocher sind heute so kompakt und leicht, daß eine warme Mahlzeit auch ohne offenes Feuer gekocht werden kann.

Nach meinen Informationen werden im Rahmen des EU-Programms NATURA 2000 auch in den Karpaten zahlreiche Schutzgebiete neu ausgewiesen.

 

Spätherbst in den Karpaten
Spätherbst in den Karpaten

Der heutige Stand der "Via Carpatica"

Dieser Fernwanderweg kann zum Königsweg des Austauschs zwischen den Ländern und Regionen werden. Internationale Begegnungen vieler verschiedener Gruppen aus den Gebieten hier in den Karpaten über alle nationalen Grenzen hinweg werden unser Verständnis für Menschlichkeit erweitern.

Das breite Interesse an Fernwanderrouten in Europa ist im großen Umfang vorhanden, so das die "Via Carpatica" weiter entwickelt werden wird.

Mein Beitrag dazu ist eine erste Veröffentlichung von Teilen der Route ohne Gewähr auf Vervollständigung. Wann dieser Fernwanderweg komplett markiert und beschrieben sein wird, kann auch ich nicht vorher sagen. Große Teile werden ich nun Beschreiben und Bebildern, und so die Möglichkeit bieten, die "Via Carpatica" in Teilen zu unternehmen.

Vielleicht kommt in ein paar Jahren die Gelegentheit, diese außerordentliche grandiose Trekkertour in einer kleineren Gruppe als Ganzes zu begehen.