Via Pyrenees - die drei Pyrenäen Fernwanderwege

Auf 3 verschiedenen Routen vom Atlantik zum Mittelmeer unterwegs

Der Aufstieg an den Steilhängen im Ordesa Nationalpark zum Hauptkamm der Pyrenäen hoch...
Der Aufstieg an den Steilhängen im Ordesa Nationalpark zum Hauptkamm der Pyrenäen hoch...

Allgemeines Wissen über die Pyrenäen

Geografische Lage und Gesteinsaufbau

Dieses Grenzgebirge zwischen Spanien, Andorra und Frankreich hat eine Länge von 445 Km und der Hauptkamm erstreckt sich parallel dem 43. Breitengrad zwischen dem Atlantik und dem Mittelmeer.

Vergleicht man die Pyrenäen mit den Alpen, ist der Aufbau relativ einfach: wie ein Fischskelett mit grätenartig nach Norden und Süden ziehende Seitenkämme. Nach Norden fällt das Gebirge recht steil ab, nach Süden deutlich gemäßigter.

Bedingt durch die Lage zwischen zwei Meeren und durch die Höhen vielerlei Klimazonen auf relativ kleiner räumlicher Ausdehnung herrscht in den Pyrenäen eine sehr große Vielfältigkeit der Natur. Wasser tritt in allen seinen Erscheinungsformen hier auf, Bergseen, Wasserfälle, Klammen, Wildbäche, Thermal und Mineralquellen. Seit der Römerzeit werden diese für Kuren und Heilbäder in den Pyrenäen zum Wohlbefinden genutzt.

Höchste Erhebung der Pyrenäen ist der Pic Aneto mit 3404 m. Viele hohe Berggipfel am Hauptkamm lassen sich relativ leicht besteigen und bieten meist eine grandiose Umschau. Kalk, Granit und Urgestein bilden die Hauptbestandteile der Pyrenäen. Oft kommen diese auf kleinsten Raum bunt vermischt daher. Größere feine Schutthalden sind selten, meist finden wir grobes Blockgestein vor. Auf der Nordseite gibt es sehr viel Gebirgswald, auf der Südseite eher Gras und Steppen Landschaften.

 

Panorama über die Weiten der Pyrenäen hinweg...
Panorama über die Weiten der Pyrenäen hinweg...

Wildtiere und Pflanzen in den Pyrenäen

Der Braunbär ist in den Pyrenäen heimisch, zu sehen bekommt ihr den zu 99,9 % aber sicher nicht. Eher werdet ihr mal einem Wolf begegnen. Murmeltiere trifft man häufig, Steinböcke sicher in den Hochlagen, dann noch die Ginsterkatze und die Bisamspitzmaus. Auf spanischer Pyrenäenseite werden halbwilde Pferde auf Magerwiesen weiden und Ziegen und Schafe trifft man gelegentlich.

Giftschlangen gehören auch in die Pyrenäen, hatte selbst in 30 Jahren Touren gehen aber mit ihnen keinerlei Probleme. 

Aber ein Tier werdet ihr immer wieder begegnen. Das ist der Geier. Bartgeier und Weißkopfgeier kommen besonders auf der Südseite der Pyrenäen vor. Besonders spannend sind die "Knochenbrecher Geier" im Ordesa Nationalpark. Leider ist der Zugang zu einem Seitental komplett seit Jahrzehnten gesperrt, so das wir ihr Schauspiel nur noch im Fernsehen ansehen können. Sie tragen die Knochen verstorbener Tiere hoch in die Luft, lassen diese gezielt auf Felsen auftreffen und beim Zersplittern dieser Knochen werden sie von den Geiern noch aus der Luft wieder eingefangen. Ich hatte in den achtziger Jahren einmal das Glück, dieses Schauspiel live mit einem Wildhüter betrachten zu dürfen.

An Wildblumen gibst es in den Pyrenäen fast alle, welche auch in den Alpen heimisch sind. Schmetterlinge und Insekten reichlich, aber eben auch Stichmücken. Deswegen solltet ihr immer ein Zelt mit dichten Stechmückennetz haben, sonst könnte der Schlaf kein guter werden.

In vielen Flüssen und Seen sind reichlich Fische vorhanden. Fischereikarten könnt ihr meist auf den Bürgermeisterämtern in den Orten gegen Entgeld eingeschränkt erwerben.

 

Immer noch recht selten in den Pyrenäen zu finden: der Steinbock - hatte hier mal Glück...
Immer noch recht selten in den Pyrenäen zu finden: der Steinbock - hatte hier mal Glück...

Touristische Hinweise

Campingplätze gibt es in den Pyrenäen reichlich und fast überall. In der Nähe von Städten können diese aber recht teuer ausfallen. Des weiteren gibt es eine Vielzahl von Zeltplätzen, meist am Beginn von Aufstiegswegen. Hier übernachten wir zwar recht einfach, aber auch nur mit kleinem Geldbeutel. Im Gebirge können wir oft überall für eine Nacht unser Zelt aufstellen, in den Nationalparks aber nur auf den ausgewiesenen Stellflächen. Wer in der Nähe von bewirtete Berghütten zelten möchte, unbedingt den Hüttenwirt befragen.

Bei allen bewirtete Berghütten muss im Sommer reserviert werden.

Die vorhandenen Selbstversorgerhütten sind meist offen zugänglich. Ihr Zustand jedoch sehr unterschiedlich. Meist werdet ihr das Zelt bevorzugen.

 

Oberhalb von Lescun bei den Kalkbergen im westlichen Zentralteil der Pyrenäen unterwegs...
Oberhalb von Lescun bei den Kalkbergen im westlichen Zentralteil der Pyrenäen unterwegs...

Der GR 10, der GR 11 oder doch die Haute Route ?

Ein Vergleich der drei Fernwanderwege durch die Pyrenäen

Auf dem französischen GR 10 würde ich nicht mehr empfehlen zu Wandern. Und wenn doch, dann abseits der Sommersaison. Gut, die Wege sind meist top ausgeschildert und farblich markiert, die Tagesetappen nicht beschwerlich und lang und genügend Berghütten gibt es auch. Damit aber verbunden sind im Sommer übervolle Hütten, teure Preise und teilweise ein Massentourismus, der eher einer Volkswanderung gleicht. Der Vergleich mit dem Jakobsweg ist sicher angemessen.

 

Der spanische GR 11 ist deutlich stiller und einsamer. Landschaftlich recht interessant, dafür mit längeren Tagesetappen und weniger Hütten. Ein Leichttrekkingzelt ist hier Pflicht. Seit 2015 sind auch die Wege und Steige ordentlich ausgeschildert und markiert. Ein Weg für Alle, welche Natur erleben möchte, aber keine allzu großen alpine Erfahrungen mitbringen. Außerhalb der Pyrenäen Kernzone benötigt man aber einen guten Orientierungssinn oder Karten und GPS.

 

Die Haute Route über die Pyrenäen ist dem alpin erfahrenen Bergsteiger vorbehalten. Eine durchgängige Markierung gibt es nicht und auch die Bergsteige sind nicht gerade einfach zu erwandern. Dafür bekommt man die gesamte Wildheit der Pyrenäen zu sehen und ist meist alleine unterwegs. GPS und Wanderkarten helfen einem auch nicht immer weiter und etwas vom Klettern, bis 2.Grad, sollte man auch verstehen. Teilweise unberührter Fels und der größere Rucksack erschwert so manche Klettertour in den Pyrenäen.

Wer die Zeit hat, diese Tour in einem Stück machen zu wollen, ihr benötigt etwa volle 10 Wochen und um die 55.000 Hm. erwarten euch. Wer dann noch den einen oder anderen zusätzlichen Berggipfel mitnehmen möchte, wird am Ende dieser Tour sicher neue Schuhsohlen benötigen.

 

Und für ganz verrückte und ausdauernde Berggeher:  Ab Mitte Mai vom Mittelmeer auf der spanischen Via Transpirenaica zum Atlantik wandern und anschließend über die Haute Route über den Hauptkamm der Pyrenäen retour zum Mittelmeer. 4 Monate auf Tour - welch ein Glück !

 

Die Atlantik Küste am Fuße der Pyrenäen, je nachdem Start oder Ziel einer grandiosen Trekkingtour.
Die Atlantik Küste am Fuße der Pyrenäen, je nachdem Start oder Ziel einer grandiosen Trekkingtour.